Die russische Revolution und Ihre Schwestern 1917

Die Avantgarde und ihre Schwestern

Kann ich Kunst sehen?
Kann ich Revolutionen sehen?
Kann ich Frauen sehen?

Was ich sehe, ist nicht unbedingt, was ich sehen sollte.

Kunst im klassischen Sinne wurde und wird durch wenige bestimmt. Die Beschreibung und Benennung der Techniken, “pausche” ist eine Bezeichnung für das Übertragen von Zeichnungen auf Weißgrund im 18 Jhrdt. Gewußt?

Kunst und Revolution 1917 in Russland – gehört das zusammen oder ist es Zufall?

Frauen wie Nadeschda Udalzowa sind uns unbekannt.

Aber wir kennen Natalja Sergeiweia Gontscharowa, Warwara Stepanowa , Olga Rosanowa oder Alexandra Exter.

Die Künstlerinnen der Avantgarde 1917 waren zur Zeit der russischen Revolution malerisch aktiv,  heute sind ihre Werke aus dem Theater, die Kostümbilder, die durch das Vorführen vor vielen Menschen  für Bekanntheit sorgten, in Erinnerung. Manchmal werden diese Werke auch gesammelt ausgestellt, um der Kunst einen Rahmen zu geben.

Diese Frauen wurden, da sie in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs lebten, heute manchmal auch als  “Schwestern der “Revolution” bezeichnet. Was haben Sie zur Revolution beigetragen, oder sie gar getragen? Darum geht es gar nicht, es geht um die Malerei, doch das tritt in den Hintergrund.

Sie malten, tranken, rauchten, schrieben theoretische Texte, lebten in wilden Ehen, reisten und lebten ihre Kunst. Während dies bei Männern cool ist, werden diese Frauen oft als

Teil eines Künstlerpaares beschrieben, ihre Herkunft – ihre Schicht referenziert. Sie kamen überwiegend aus gehobenen Bürgerfamilien mit Besitz. Wie sonst sollten sie reisen können? Wie sonst nicht einer täglichen Arbeit zum Geld verdienen nachgehen?
Ihre Visionen und Hoffnungen auf eine befreite Welt, treten in den Hintergrund. Ihre Ästhetik und ihr ” Geist der Utopie” für Freiheit und die Erlaubnis, Fehler zu machen, eben zu leben, im Sinne von Ernst Bloch finden sich selten.
  • Muss Kunst politisch sein?
  • Kann Kunst nicht politisch sein?
  • Können Frauen nicht politisch sein?
  • Können Frauen eine Revolution anfangen?

Wie beginnt eine Revolution?

Sofort fallen jedem von uns arabischer Frühling oder die sexuelle Befreiung in den 60iger ein, doch was davon ist für Frauen geblieben? Was davon wollen die Frauen heute noch?

Wenn ich so leben würde, wie diese Frauen damals, wäre dann parallel dazu eine Revolution gegen die Herrschenden einfach da?

Betrachten wir es vom Standpunkt der Malerei?
Nein, wir betrachten die Kunst in der Zeit und ordnen ein.

Ich kann dieses Einordnen nicht leiden, aber es ist der Versuch, Komplexität zu reduzieren, auf ein Maß des Erträglichen, in dem kategorisiert und sortiert wird. Das macht es den meisten Menschen einfacher, ein Etikette zu verteilen und das Gesehene abzulegen.

Wir sehen ein Bild, lesen den Titel, das Datum und ordnen in den historischen Kontext ein.

Nackte Frauen sind kein Problem, das ist entweder biblisch oder erotisch.
Nackte Männer sind eh nicht so schön, und nackte Kinder sind göttlich.

Die abhakten Köpfe und Arme, das Blut und die Toten sind Kriege, Revolutionen und Vergangenheit.

Es ist alles erklärbar, was wir sehen in der Kunst der toten Künstlerinnen.
Doch ist das ausreichend für eine Revolution?
Die russische Revolution ist ja auch tot. Lenin? 1924? alles tot.
Der Diktator danach? Stalin? Auch tot.

Nur kurz die Eckdaten, damit ihr wißt, worüber wir reden, in der russischen Revolution. Eckpfeiler an Namen von Männern festgemacht. Sollte ich mir die Mühe geben, Namen von Frauen rauszusuchen?

Da frag ich mich lieber, können Frauen eine Revolution starten?
Und wenn ja, welche Revolution?

  • die der sexuellen Befreiung, die auch Homosexualität von Frauen in Presse und Funk und im Alltag und im Internet alltäglich zeigt?
  • die der freien Arbeitswahl?
  • die der freien Kinderwahl?
  • die der freien Wohnungswahl?

Im Grunde leben Menschen und da besonders Frauen in Europa in einem netten Käfig, der ihnen einiges erlaubt, aber sobald die unausgesprochenen Regeln verletzt werden, ist die sexuelle Revolution und Freiheit vom letzten Jahrhundert vorbei.

Wir haben Gesetze auf dem Papier und Gedanken im Kopf und das paßt nicht zusammen.
Sollten deshalb die Gesetze abgeschafft werden, weil das einfacher ist, oder sollten die Gedanken revolutioniert werden, weil das einfacher ist?

Es erscheint mir selber plakativ, aber können Frauen eine Revolution anfangen, oder hat das gar nichts mit Mann und Frau zu tun, sondern mit den Machtstrukturen?
Dann wäre das einfach, denn dann muss ich nur die Millionen von Unterdrückten und Geknechteten suchen und diese bitten, eine Revolution zu starten.

 

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